Der Badische Winzerkeller im Portrait - Schöpfungen aus der Natur

BZ-Interview mit Henning Johanßen Leiter Unternehmenskommunikation vom 12.05.2018

Die Breisgauer - Fragen an die Teilnehmer von Weinkult Breisgau 2018:

Auf ein Wort vorweg – mit zwölf Winzerbetrieben stellen Sie beim Weinkult Breisgau einen beachtlichen Teil an Erzeugern und Weinen?
In der Tat, als Badischer Winzerkeller bilden wir mit und für den Breisgau am 18. Mai rund ein Drittel unserer Anbaufläche und unserer angeschlossenen Winzerinnen und Winzer ab. Wir freuen uns alle auf die erste Breisgauer Veranstaltung dieser Art. Und wir bedanken uns bei der Badischen Zeitung, die diese Veranstaltung ins Leben gerufen hat und als Veranstalter sogar durchführt. Das hat man selten und zeigt das Engagement und die Verantwortlichkeit der Badischen Zeitung für die Menschen und Themen aus der hiesigen Region.

Stellen Sie sich vor, Sie sind beim Bundespräsidenten zum Essen eingeladen. Welche Flasche Wein aus Ihrem Keller bringen Sie ihm mit und warum gerade diesen?
Mindestens zwei Weine würde ich Frank-Walter Steinmeier mitbringen und über diese versuchen, ihm Eindrücke aus dem Breisgau zu vermitteln: Einen schönen „Schwarzwälder Rotwein“, einen für den Breisgau typischen Spätburgunder, markant wie die Bollen auf dem Schwarzwaldhut, dezent-fruchtig nach Kirsche und Brombeere, vollmundig in der Struktur, kräftig und zugleich samtig im Charakter. Als zweites einen Breisgauer Weißburgunder oder Müller-Thurgau, der im Geschmack die Rheinebene im Breisgau nachzeichnet – leicht und unbeschwert wie die sonnendurchflutete Region, dezent betont nach Melone, Zitrus und dem Duft reifender Trauben in den Rebzeilen. Rot-Weiß aus dem Breisgau, wie eine Komposition aus dem Bilderbuch.

Die Breisgauer haben sich viele Jahre hinter Kaiserstuhl, Markgräflerland oder Ortenau versteckt. Was muss sich ändern, damit das Anbaugebiet bekannter wird?
Die Breisgauer stehen den anderen Anbaubereichen im Einzelnen in nichts nach. B wie Baden und B wie Breisgau – als Begrifflichkeit ist der Breisgau über den Fußball über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die Initiativen wie die Breisgauer Wein GmbH mit neuem Auftritt für Wein und Tourismus sind Wegbereiter für mehr Bekanntheit. Die Landesgartenschau in Lahr wird ein weiterer Nährboden für mehr Öffentlichkeit sein. Insbesondere die WEINKULT Breisgau wird die Gesichter der Breisgauer Erzeuger sichtbar machen. Mehr davon wird uns im Breisgau weiter profilieren.

Was gefällt Ihnen am Beruf des Winzers?

Wir leben von und mit der Natur – das ist für alle unsere Winzerinnen und Winzer das Schöne. Es ist mehr als nur Beruf, es ist Berufung. Der überwiegende Teil unserer Betriebe arbeitet mit seinen Mitgliedern im Nebenerwerb. Mit der Weinbautradition aufgewachsen ist das Arbeiten in den Reben vor allem die Verbundenheit zu Land und Leuten, Lebensart, eigenen Werten und Genusskultur. Unsere Kellermeister begleiten den Weg vom Weinberg bis zum Weinregal und sorgen für einen individuellen Ausbau der Weine. Das ist ein überaus kreativer Prozess, so als würde man Gemälde malen. Jedes Jahr aufs Neue stehen die Schöpfungen aus der Natur als formvollendete Produktpersönlichkeiten da. Jeder Wein ein Original. Wie die Winzer. Wie der Breisgau.

Was schätzen Sie persönlich am Breisgau?
Die ehrliche und herzliche Art der Menschen, die über den Wein und die Landschaft mitein-ander verbunden sind. Zudem das abwechslungsreiche und geschwungene Landschaftsbild entlang des Rheintals und in der Vorbergzone des Schwarzwaldes. Das macht den Breisgau so einzigartig.

Mit welchen Weinen kann sich der Breisgau profilieren?
Im Rebsortenspiegel unserer zwölf Breisgauer WGs liegt der Spätburgunder an erster Stelle. Er macht vereinzelt bis zu 50 % des mengenmäßigen Anteils aus. Gefolgt vom Müller-Thurgau, Ruländer und Weißburgunder sind dies aus unserem Verbund die Hauptrebsorten. Natürlich gibt es daneben eine enorme Bandbreite weiterer Rebsorten, die sich aus der Vielfalt der Lagen und Landschaften ergeben. Demnach würden wir den Breisgauer Spät-burgunder in den Vordergrund rücken und rundherum das Bild der Weißweine zeichnen, die den Breisgau als sonnenverwöhntes Weinland repräsentieren.

Was ist für Sie ein großer Wein?
Ein authentischer Wein, der uns die Geschichte hinter dem Wein erleben lässt. Ein großer Wein inspiriert, löst Geschmack und Wohlbefinden aus und bleibt in Erinnerung.

Was trinken Sie, wenn kein Breisgauer mehr im Keller liegt?
Wir im Verbund Badischer Winzerkeller sind buchstäblich an der Quelle und haben eher die Qual der Wahl. Bei zwölf Mitgliedsbetrieben aus dem Breisgau ist immer was im Keller. Auch darüber hinaus können wir aus dem Vollen schöpfen. Denn zum Verbund Badischer Winzer-keller gehören alle badischen Anbaubereiche vom Bodensee im Süden bis Tauberfranken im Norden. Das beschert unserer Erzeugergemeinschaft in Breisach bis zu 500 verschiedene Weine jedes Jahr. Jeder der Weine hat seine individuelle Note. Man könnte bei der Auswahl von paradiesischen Verhältnissen sprechen – ist es auch.

Beschreiben Sie in drei Schlagworten Ihre Betriebsphilosophie.
Die Sonnenwinzer. Der Mehrfamilienbetrieb. Bringen Sonne ins Glas.

Die Beschaffenheit der Böden wird immer wichtiger für die Weinproduktion. Was kennzeichnet Ihre Rebhänge?
Lage, Lage, Lage – das gilt auch für die Rebanlagen. Die Konstellation Rheintal und Schwarzwald schafft optimale klimatische Bedingungen in der Komposition von Luft, Feuchtigkeit und Sonneneinwirkung. Alles was die Rebe begehrt. Und die mineral-stoffhaltigen und nährstoffreichen Böden und Hänge sorgen mit unterschiedlicher Prägung für ein Mix, aus dem die typischen Breisgauer Weine entstehen.

Der Klimawandel schreitet rasant voran. Muss der Breisgau Alternativen zu den Burgundersorten finden?
Wir alle sind mit dem Weinbau auch Landschaftspfleger und haben Auswirkungen des Klimawandels fest im Blick. Qualitätsarbeit in den Reben heißt daher auch, mit der Natur auf Veränderungen zu reagieren und beispielsweise im Pflanzenschutz sensibel auszusteuern. Jeder vor Ort kennt seine Gegebenheiten und Möglichkeiten genau. Wir vom Badischen Winzerkeller sind im ständigen Austausch mit allen weinbaulichen Institutionen und bringen neue Erkenntnisse konkret ein. Mit den Burgundersorten liegen wir im Breisgau richtig. Im Spektrum der weiteren vielen Rebsorten wird man – gerade bei Neuanpflanzungen – von Fall zu Fall Anpassungen vornehmen, dies aber über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg.

Wo steht der Breisgau in 20 Jahren?
Der Breisgau hat Zukunft – blühende Landschaften, schöne Weinqualitäten und einen hohen Freizeitwert. Wein und Tourismus setzen derzeit und die nächsten Jahre alle Kraft daran, im Netzwerk von Wirtschaft und Kultur das Bild des Breisgaus weiter zu stärken. Dies ist nur in aller Gemeinsamkeit erreichbar. Darauf setzen wir, gerade auch als Badischer Winzerkeller.

Sie gewinnen im Lotto zwei Millionen Euro. In welches Wein-Projekt stecken Sie das Geld?
In den Nachwuchs, ganz klar! Wir als Badischer Winzerkeller würden einen unerwarteten Geldsegen in den Erhalt des Winzerhandwerks stecken. Der Generationswechsel in den Erzeugerbetrieben ist in vollem Gange. Hier braucht es auch handfeste Unterstützung nebst laufender Beratung und Strukturmaßnahmen. Das ist entscheidend für den weiteren Weg nicht nur im Breisgau. Damit wir auch Morgen kraftvoll anpacken können und Weinbau sich weiterhin entwickeln und auch wirtschaftlich lohnen kann.

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